Alle Farben grau

Produktinformationen "Alle Farben grau"
Mit dem vorliegenden Roman, der einer wahren Geschichte folgt, verbindet sich ein Anliegen: Suizid und Suizidgedanken zu enttabuisieren; sich Hilfe holen, darüber sprechen.
Erzählt wird die Geschichte des 16jährigen Paul (Ich-Perspektive), wechselnd zwischen der Zeit vor und während seines Aufenthaltes in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier bekam er die Diagnose: Asperger-Syndrom.
Die LeserInnen werden nun - charmant und wortwitzig - in eine Jugendkultur hineingenommen, die in vielem für sich selber spricht. Hierbei richtet sich der Blick auf den Erlebnishorizont jener Jugendlicher, die experimentell und frei beginnen, das Leben zu deuten, dabei Grenzen überschreiten und „aus dem Rahmen“ fallen.

Sichtbar werden die hilflosen Versuche erwachsener Familienangehörigen, Zugang zur Persönlichkeit des Adoleszenten zu finden, aber auch Gleichaltrige tun sich teilweise schwer, ihn „auszuhalten.“ In Japan (Internataufenthalt) hörte er zum ersten Mal die Stimme; sie „ist kein Geräusch oder so, aber trotzdem total intensiv, sie ist ein Gedanke, der so heftig im Kopf steckt, dass er alles verdrängt, ohne einen Laut von sich zu geben“ (S. 72). Jeder Satz von außen richtet sich – seinem Empfinden nach – gegen ihn. Irgendwann wird die Welt nur noch in Grautönen wahrgenommen.

Eine Tragödie wird sichtbar.

Immer wieder schieben sich unvermittelt Erinnerungen an Paul in den Text: Sein Japanischlehrer in Deutschland erinnert sich…an den Unterricht mit Paul und an die beiden Digitaluhren an seinem Handgelenk: eine für die dt. Zeitanzeige und eine für die japanische.

Auch Pauls bester Freund Noah kommt zu Wort: der Anruf Pauls in seiner letzten Lebensnacht, die Zeit in einer gemeinsamen Gymnasiumsklasse. Hier fiel während seiner Unterstufenzeit der Satz: “mit 16 bring ich mich um.“ Einfach so.

Zum Zeitpunkt seines Todes war Paul 16.

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Einfühlsame Recherche, feinsinnig nachgespürt, aufschlussreich dargestellt. Fast eine Pflichtlektüre für Menschen, die mit Jugendlichen in enger Beziehung stehen.