Die verlorene Seele – der Weg nach Hause

Mit den Augen einer Mutter erzählt Gertrud Luise Preuß aus den Kinder- und Jugendjahren ihres Sohnes Tilo (ihm ist dieses Buch gewidmet) und seiner Schwester; die LeserInnen werden dabei in das Familienleben zu DDR Zeiten mit hineingenommen. Zunächst hat es den Anschein, als könne die intakte Familie durch nichts aus der Bahn geworfen werden. Erst als der Fokus auf das Erwachsenwerden des Sohnes - seine Berufsfindung und die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft – gelenkt wird, zeigen sich deutliche Suchbewegungen.
Bedrückend erleben die Lesenden, wie schwierig sich vieles für den talentierten Tilo gestaltet: seine Ideen und Visionen suchen nach Ausdruck und scheitern immer wieder am Rahmen, der ihm durch die jeweilige Realität vorgegeben ist. Enttäuschungen und Scheitern bestimmen sein Leben. Zunächst reichen Phantasie und Lebenskraft aus, um immer neue Versuche zu starten und sich jeder Kapitulation entgegenzustellen.
Doch mögen die inneren Verletzungen bestimmend dafür gewesen sein, dass er seinen Platz nie gefunden hat und er dabei zusehends den Überblick über sein Leben verlor. Er erhielt die Diagnose „Depression“. Immer öfter suchte er „Schutz“ bei den Eltern, die ihm dies gewährten und ebenso fraglos aus Notlagen halfen.
Die Versuche, sich Hilfe aus dem gesellschaftlichen Beratungsnetz (inzwischen längst auf westlichem Standard) zu holen, zeigen „Lücken“ auf. Das Konzept der Selbstbestimmung und Mündigkeit scheint eine Farce zu sein, das von Erkrankten oft nicht mehr gehalten werden kann. Sie haben die Aufgabe, sich richtig „zu installieren“ und sind damit überfordert.
Das Beispiel von Tilo zeigt dies eindrücklich und er entscheidet sich, seinem Leben ein Ende zu setzen; er hinterlässt einen Abschiedsbrief, der seine persönliche Bilanz anzeigt, aber auch seine Vision von einem anderen Leben … in das er nun hineingeht.
Die zweite Buchhälfte erzählt von der Zeit danach und Gertrud L. Preuß zeigt, wie sie sich auf den Trauerweg gemacht hat. Im Gegensatz zu ihrem Sohn konnte sie Hilfe in Anspruch nehmen. Die Autorin bleibt auch hier auf der autobiographischen Erzählebene und teilt mit, wie sie allmählich ins Leben zurückfand, sich ihre Empfindungsfähigkeit für Plus-Gefühle zurückerobert und dabei immer in Verbindung mit ihrem Sohn bleibt.
Insofern ein ermutigendes Buch für alle betroffenen Eltern, die ihr Kind